Proxmox als Alternative zu VMware

Was Sie jetzt wissen müssen:

Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom stellen sich viele mittelständische Unternehmen dieselbe Frage: Lohnt sich die Verlängerung noch – oder ist es Zeit für einen Plattformwechsel? Am häufigsten fällt dabei der Name Proxmox VE.

In diesem Beitrag ordnen wir ein, was sich bei der VMware-Lizenzierung geändert hat, was Proxmox leisten kann, wo die Plattform an Grenzen stößt und wie ein Umstieg realistisch abläuft.

Warum die VMware-Frage wieder auf dem Tisch liegt

Broadcom hat das Lizenzmodell von VMware grundlegend umgebaut. Drei Punkte treffen kleinere und mittlere Umgebungen dabei besonders:

    • Keine Kauflizenzen mehr: Perpetual-Lizenzen wurden eingestellt. Wer VMware einsetzt, mietet – mit allen Konsequenzen für Planbarkeit und Verhandlungsposition bei jeder Verlängerung.

    • Lizenzierung pro Kern mit Mindestmenge: Abgerechnet wird pro CPU-Kern, mit einer Mindestabnahme von 16 Kernen je Sockel. Wer Hosts mit 8 oder 12 Kernen betreibt, zahlt für Kapazität, die gar nicht vorhanden ist.

    • Keine Einzelprodukte mehr: Der modulare Baukasten ist entfallen. Es bleiben im Wesentlichen die Bündel VMware vSphere Foundation und VMware Cloud Foundation – bezahlt wird der gesamte Stack, auch wenn nur ein Teil davon genutzt wird.

In der Praxis liegen die ersten Angebote bei Verlängerungen häufig deutlich über den bisherigen Kosten aus Kauflizenz plus Wartung. Wie groß der Sprung am Ende ausfällt, hängt stark von Vertragslaufzeit, Volumen und Verhandlung ab. Genau deshalb lohnt es sich, die Alternativen sauber durchzurechnen, statt sie nur als Drohkulisse zu verwenden.

Was Proxmox VE ist

Proxmox Virtual Environment ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform des österreichischen Herstellers Proxmox Server Solutions. Sie basiert auf Debian GNU/Linux und nutzt KVM für virtuelle Maschinen sowie LXC für Container. Verwaltet wird alles über eine webbasierte Oberfläche – ein separater Management-Server wie vCenter ist nicht zwingend erforderlich.

Wesentliche Funktionen sind an Bord, ohne dass zusätzliche Lizenzstufen nötig wären: Cluster mit bis zu 32 Knoten, Hochverfügbarkeit, Live-Migration, Snapshots, ZFS, verteilter Speicher über Ceph, Software Defined Networking und eine rollenbasierte Rechteverwaltung. Für Sicherung und Wiederherstellung steht mit dem Proxmox Backup Server ein eigenes Produkt mit Deduplizierung und inkrementellen Backups bereit.

Die aktuelle Version 9.2 erschien am 21. Mai 2026 und bringt unter anderem ein dynamisches Lastenausgleichsverfahren, das HA-verwaltete Maschinen anhand realer Auslastungsdaten automatisch im Cluster verteilt – eine Funktion, die zuvor als Argument für VMware galt. Wichtig für Bestandsinstallationen: Der Support für Proxmox VE 8 endet am 31. August 2026, ein Upgrade auf Version 9 sollte also eingeplant sein.

VMware und Proxmox im direkten Vergleich

Kriterium VMware (Broadcom) Proxmox VE
Lizenzmodell Abonnement, Laufzeit gebunden Open Source, Subskription optional
Abrechnungsbasis pro Kern, mind. 16 je Sockel pro Sockel, unabhängig von der Kernzahl
Produktumfang feste Bündel (VVF / VCF) voller Funktionsumfang in jeder Stufe
Zentrale Verwaltung vCenter Server Web-UI je Cluster, optional Datacenter Manager
Verteilter Speicher vSAN Ceph (integriert), ZFS
Backup Drittanbieter oder Zusatzprodukt Proxmox Backup Server

Wie sich die Kostenstruktur unterscheidet

Die Software selbst ist quelloffen und kostenfrei nutzbar. Bezahlt wird ausschließlich der Zugang zum Enterprise-Repository und der Herstellersupport. Proxmox bietet dazu mehrere Subskriptionsstufen an, die sich allein im Supportanspruch unterscheiden – in der Reaktionszeit und in der Zahl der Tickets pro Jahr. Der Funktionsumfang ist in allen Stufen identisch: Es gibt keine Funktion, die erst ab einer höheren Lizenzstufe freigeschaltet wird.

Entscheidender als die absolute Höhe ist die Bezugsgröße. Proxmox rechnet je belegtem CPU-Sockel ab, unabhängig von der Kernzahl. Wer Hosts mit hoher Kernzahl betreibt, zahlt bei VMware mit jedem CPU-Upgrade mehr, bei Proxmox nicht. Wer viele kleine Hosts betreibt, profitiert vom Wegfall der 16-Kern-Mindestabnahme.

Wie groß der Unterschied in Ihrem Fall tatsächlich ausfällt, lässt sich seriös nur anhand Ihrer konkreten Sockel- und Kernzahlen, der genutzten Funktionen und der Vertragslaufzeiten beziffern – und erst im Vergleich über mehrere Jahre inklusive Migrations- und Schulungsaufwand.

Wo Proxmox an Grenzen stößt

Vor dem Wechsel sollte Sie diese Punkte ehrlich prüfen:

    • Herstellerfreigaben: Manche ERP-, Branchen- und Datenbanksysteme sind ausschließlich für VMware oder Hyper-V zertifiziert. Diese Prüfung gehört an den Anfang jedes Projekts, nicht ans Ende.

    • Know-how im Betrieb: Proxmox ist Linux. Wer bisher ausschließlich mit vCenter gearbeitet hat, braucht Einarbeitung – besonders bei Ceph, dessen Auslegung und Betrieb eigenes Fachwissen erfordern.

    • Ökosystem: Rund um VMware existiert über Jahre gewachsenes Zubehör – Monitoring, Automatisierung, VDI, Storage-Integrationen. Nicht jedes Werkzeug hat ein gleichwertiges Gegenstück.

    • Support-Erwartung: Der Herstellersupport ist ticketbasiert und sehr gut, ersetzt aber keinen betreuenden IT-Partner vor Ort.

Wie ein Umstieg realistisch abläuft

Ein Plattformwechsel ist ein Projekt, kein Wochenendeinsatz. Bewährt hat sich dieses Vorgehen:

    • Bestandsaufnahme: Welche VMs laufen tatsächlich, welche Abhängigkeiten und Herstellerfreigaben bestehen, wie sehen Lizenzlaufzeit und Kündigungsfristen aus?

    • Wirtschaftlichkeitsrechnung: VMware-Angebot gegen Proxmox-Subskription plus Migrationsaufwand plus Schulung über drei bis fünf Jahre stellen – nicht nur die Lizenzzeile vergleichen.

    • Pilot: Ein kleiner Cluster mit unkritischen Systemen zeigt schnell, ob Betrieb, Backup und Monitoring wie gedacht funktionieren.

    • Migration: Proxmox bringt einen Import-Assistenten mit, der virtuelle Maschinen direkt von einem ESXi-Host übernimmt. Feinarbeit an Treibern und Gasterweiterungen bleibt dennoch nötig.

    • Backup zuerst: Die Sicherungsstrategie steht vor der ersten produktiven Migration – nicht danach.

Häufig ist der Umstieg ohnehin mit einem anstehenden Hardware- oder Betriebssystemwechsel zu kombinieren, etwa im Zuge des Supportendes von Windows Server 2016. Wer beides zusammen plant, migriert nur einmal.

Kutzschbach begleitet Sie bei der Entscheidung

Ob Proxmox für Ihr Unternehmen die richtige Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – es hängt von Ihrer Anwendungslandschaft, Ihren Herstellerfreigaben und Ihrem Betriebsmodell ab. Als Ihr IT-Partner in den Regionen Nördlingen, Augsburg und Ulm prüfen wir das gemeinsam mit Ihnen, ergebnisoffen und mit Blick auf die Gesamtkosten über mehrere Jahre.

Steht bei Ihnen eine VMware-Verlängerung an oder möchten Sie wissen, was ein Wechsel konkret bedeuten würde? 

Kontaktieren Sie uns gerne direkt unter vertrieb@kutzschbach.de – Wir melden uns zeitnah bei Ihnen.

 

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